Category: Diss

Die COWORK 2018 startet im März in Bremen

Bald ist es wieder so weit und das deutschsprachige Klassentreffen der Coworking-Szene findet statt. Diesmal treffen wir uns vom 9.3. bis 11.3.2018 in Bremen.  Die COWORK ist eine Koproduktion der German Coworking Federation e.V. (GCF) und des Bremer Coworking Space WESERWORK. Ich werde dabei sowohl einen Input zur aktuellen Coworking-Forschung geben, als auch das Coworking-Quiz am Samstag organisieren. Zur Einstimmung hier noch meine Gedanken zu meinem liebsten Forschungsthema, zu dem mich Anja C. Wagner befragt hat:

PS: Tickets für die COWORK 2018 gibt es hier, und zwar zurzeit noch zu early bird-Preisen.

I ❤ my Job oder warum mich nach bald 5 Jahren an der Uni immer noch auf jeden Oktober und April freue

Zum Anfang von jedem neuen Semester, in dem ich an der Viadrina einen neuen Kurs konzipiere, denke ich „das wird nun aber wirklich der Coolste“. Bislang dachte ich das 12 mal. Nicht immer waren die Studierenden der gleichen Meinung und einige meiner Ideen gingen auch vollkommen nach hinten los. Dennoch nutze ich die Freiheit der Lehre um mich immer wieder neuen Themen zu widmen. Ich bin dankbar für das Vertrauen, was mir dabei von meiner Chefin entgegengebracht wird – gerade wenn mein Dissertationsprojekt sich viel zu oft auf der Rückbank wiederfindet. So fühle ich mich doch eher der Lehre als der Forschung verschrieben.

Auf dem hohen Ross der Geisteswissenschaften

Die meist kollaborativen Projekte von und mit den Studierenden sowie meine didaktische Herangehensweise an Wissensvermittlung und Forschendes Lernen, stoßen nicht immer auf offene Ohren. Auch ich merke, dass Studierende immer unsicherer werden, etwas falsch zu machen und eingespannt in die Modulstruktur weniger nach Interesse, als nach optimalen ECTS Punkten studieren. Frei nach dem Motto: „Finde den Kurs mit dem geringsten Aufwand für die meisten ECTS“. Bei mir sind sie dann oft falsch. Durch die fortschreitende Verschulung der Studiengänge sehe ich auch eine Einschränkung von Freiheiten der Studierenden. Anstelle der wirklich selbst gewählten Projekte, wird dann lieber das Praktikum für den Lebenslauf absolviert. Kreatives und absichtsloses Ausprobieren hat keinen Raum – lässt sich ja in der Bildungsbiografie nicht gut vermarkten. In jedem Fall muss man dann diese Lücken im Lebenslauf vor geldgebenden Eltern oder Bafögämtern rechtfertigen. Die Spirale des schlechten Gewissens setzt sich in Gang.

Alternativloser Weg ins erste Burnout?

Ich wünsche mir, dass es an Universitäten, aber auch allen anderen Bildungseinrichtungen und darüber hinaus, mehr Freiräume zum Ausprobieren jenseits der Jagd nach den ECTS und Zertifikaten geben würde. Kollaborative Lernorte, in denen gesponnen, geträumt, geplant und umgesetzt werden kann, gehören genauso dazu wie ein Ende des elendigen Studierenden-Bashings. Niemand der Studierenden, die bei mir Prüfungen oder Abgabefristen nach hinten verschieben ließen, tat dies ohne triftigen Grund. Meist ist mir dieser bekannt und ich habe nicht schlecht gestaunt, was für Schicksalsschläge und gesundheitliche Aspekte Menschen aus der Bahn werfen können. Vieles davon wird tabuisiert, womöglich noch sarkastisch kommentiert. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich so einiges davon nachvollziehen, zweifle aber natürlich auch hier und da an der Prioritätensetzung der Studierenden. Nichts ist eben nur schwarz oder weiß und eine Erhöhung des (finanziellen) Drucks zwingt viele eher in unsinnige Nebenjobs als eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen im selbst gewählten Studienfach und der eigenen Leistung.

Digital ist besser!?

Das ist es doch letztendlich was wir vermitteln wollen: Die Befähigung Zusammenhänge durch verschiedene Perspektiven wahrzunehmen, zu bewerten und in neue Kontexte zu transferieren, Wissen selbst zu erschließen und sich damit kritisch auseinander zu setzen. Und immer wieder Reflektion. Digitale Technologien sind dabei hilfreich und nützlich – niemand muss mehr alles Wissen auswendig lernen, steht ja bei Wikipedia. Aber der Einsatz digitaler Medien ist noch so ein Thema, wo wir massiv hinterherhinken.

meine Studierenden

Stimmungsbild: DER Coworking Space oder DAS Coworking Space?

Um meine kurze Umfrage in der Coworking-Community und darüber hinaus noch mal etwas weiter zu streuen, hier nun meine Frage an euch:


Im Zuge meiner Dissertation, Seminarvorbereitungen an der Europa-Uni Viadrina (Future of Work, Baby!) oder im täglichen Social Media-Dunstkreis stolpere ich häufig über die unterschiedliche Artikelverwendung in Bezug auf Coworking Spaces. Natürlich wird niemand – wohl auch nicht die German Coworking Federation – demnächst festlegen, welchen Artikel ihr zu verwenden habt. Oft gehe ich aber den Zwischenweg und nutze einfach den Plural: Es werden ja sowieso immer mehr Spaces!

Ode an Floh

Heute ist es mal wieder passiert. Ich war im Flow. Der Flow ist ein einzigartiger Zustand bei dem alles fließt und am Ende einen Sinn ergibt – zumindest für diesen einen Moment. Im besten Fall auch noch später, aber im Zustand des Rauschs will man davon nix wissen. Überhaupt sind Zeit und Raum dann erst mal egal. Pullerpausen sind drin, Trinken auch (aber kein Alkohol!), alle anderen Ablenkungen müssen draußen bleiben. Der Flow ist ein schreckhaftes Wesen. Facebook, Telefone und Musik mag er oft nicht.

In meinem Fall heißt der Flow Schreibflow, liebevoll auch Schreibfloh genannt, weil man ihn schnell übersehen kann. Leider kommt er dieser Tage viel zu selten vorbei. Manchmal mache ich mir dann schon Sorgen, dass der Floh und ich uns auseinander gelebt haben – passiert ja oft genug mit Menschen. Wie aber in allen anderen Beziehungen müssen auch der Floh und ich an unserer arbeiten. Tief im Inneren denke ich, dass er eigentlich ganz gerne Routine mag und am liebsten einen festen Rhythmus haben möchte, so wie Kleinkinder. Aber das wird meiner Meinung nach auch viel zu oft überbewertet. Man schreibt sich selbst bis an die Schmerzgrenze Regeln vor – immer in der Hoffnung, dass alles ganz toll wird, wenn ich nur jede Regel akribisch befolge. Wie damals als man mir sagte, dass meine Katze mich vergöttern würde, wenn ich sie mindestens eine Stunde am Stück streicheln würde. Es war eine lange Stunde und dass ich sie als wirklich kleines Kind mal in den Pool geschmissen habe, hat sie mir nie so recht verziehen. Und so bleibt auch der Floh immer etwas unnahbar, ungreifbar, gar unerreichbar – wie der süße Typ damals auf dem Schulhof vier Klassen über mir. Man kann ihn jedoch etwas anfüttern mit täglichen Schreibaufgaben zum Beispiel – den Floh, nicht den Typen, der mittlerweile sicher eh nicht mehr so süß ist und ein Autohaus in Storkow hat, inklusive Reihenendhaus und Familie samt Katze. Die wird sicher auch viel gestreichelt. Allerdings haben sie auch einen Pool. Gibt Schlimmeres.

Dies ist ein kurzer Text einer Serie zum aktiven Schreiben meiner Dissertation. Warum es dabei genau geht, schreib ich bald mal auf. 

© 2018 Herzblutfaktor

Theme by Anders NorenUp ↑