Kategorie: Arbeit

Plattformkooperativismus, #CoopsViadrina und eine neue politische Diskussionskultur

Wer mich kennt, weiß, dass die letzten Jahre für mich immer wieder geprägt waren von der Suche nach Gemeinschaft und alternativen Organisationsformen. In der Coworkingwelt habe ich viele Antworten auf meine Fragen gefunden und versuche diese nun intensiv beim Schreiben meiner Dissertation zu reflektieren. Besonders haben es mir dabei genossenschaftliche Coworking Spaces angetan. Aber auch in die Platfom Coop-Bewegung bin ich teilweise tief eingetaucht. Ich habe vor einem Jahr mit vielen Kooperationspartner*innen ein Magazin zu dem Thema herausgegeben und möchte auch in Zukunft mit meinen Studierenden dazu forschen und experimentieren.

Plattformkooperativismus: Genossenschaften + digitale Technologien neu gedacht

Zuletzt war ich zur Open Coop-Konferenz im Sommer 2018 in London – dem Klassentreffen der europäischen Platform Coop-Bewegung. Die Tage waren gefüllt mit spannenden Gesprächen, Vorträgen und Workshops. Die kollektive Brainpower erfüllte trotz großer Hitze die Comway Hall und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mit vielen neuen Ideen und Impulsen abgereist bin. Eine davon ist die feste Absicht eine zweite Ausgabe von #CoopsViadrina zu produzieren und zwar mit allen, die mitmachen wollen. Dazu gibt es eine bestehende Loomio-Gruppe, in die ihr gerne kommen könnt um gemeinsam eine sinnvolle Vorgehensweise abzustimmen.

Nun freue ich mich darüber, dass das Thema auch politisch wahrgenommen wird und möchte an dieser Stelle auf diese Aufzeichnung zum Thema „Solidarität im digitalen Kapitalismus“ verweisen.

Video: Impuls – Solidarität im digitalen Kapitalismus

An der Diskussion haben sich auch viele meiner Weggefährt*innen – direkt oder im Geiste – beteiligt. Mit dabei sind Markus Sauerhammer vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) oder ein Vertreter von FairmondoEla Kagel vom Supermarkt Berlin, die mit mir gemeinsam den oben genannten Kurs konzipiert hat, betonte den Stellenwert von internationalen Gründungen und Organisationsformen, wo sie dringenden politischen Handlungsbedarf sieht.

Bislang sind viele Platform Coop-Projekte noch nicht realisiert, aber schon ziemlich weit gedacht. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln und sich weiter zu vernetzen. Die Berliner Platform Coop-Gruppe ist dabei eine wichtige Adresse und trifft sich regelmäßig im Supermarkt Berlin.

Impulsmarkt: Coworking-Forschung auf der #Cowork2018

Vom 9.-11. März 2018 fand in Bremen die deutschsprachige Coworking-Konferenz #Cowork2018 statt. Dazu eingeladen haben die German Coworking Federation e.V. (GCF) und Weserwork. In einer Impulsmarkt-Session habe ich als Vertreterin der GCF einen Überblick über aktuelle Forschungsprojekte und mögliche Mehrwerte für die Coworking-Szene gegeben. Diskutiert wurden vor allem mögliche Themen und Forschungsinteressen aus Sicht der Betreiber*innen, Unternehmen und Coworker*innen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse lest ihr hier.

Coworking ist so neu – dazu gibt es doch gar nichts!

Themen rund um die neue Arbeitswelt sind allseits beliebt, momentan sogar Thema des Wissenschaftsjahres 2018 und manche Coworking Spaces nahezu “überforscht”. Da aber ganz verschiedene Disziplinen (u.a. Soziologie, Psychologie, Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Stadt- und Raumplanung, Architektur) auf das Thema mit unterschiedlichsten Fragestellungen schauen, sehe ich vor allem in Hinblick auf die qualitative Forschung noch viele offene Aspekte. Viele davon vereint die Frage nach der Community und den (sozialen) Praktiken in einem kollaborativen Arbeitsort oder: Was machen die da eigentlich und warum?

Bitte nicht noch ein Fragebogen mit den gleichen Fragen

Mit dem Global Coworking Survey, der jährlich von Carsten Foertsch (Deskmag) erhoben wird, haben wir die umfangreichsten quantitativen Daten zur Nutzung von Coworking. Hier findet ihr eine Übersicht der Ergebnisse. Bei Interesse an Einzelaspekten lohnt sich eine Anfrage an Carsten.

Leider bekommen Spacebetreiber*innen, aber auch Nutzer*innen immer wieder die gleichen Anfragen von Studierenden und Forschenden – oft in Form einer Fragebogenerhebung. Hier sind sich die Teilnehmenden der Cowork einig: Es nervt, immer die gleichen Fragen zu beantworten. Hier kann also gut auf den Global Coworking Survey oder die Übersicht von Ramon Suarez (Coworking Handbook) verwiesen werden. Selbst wenn man sich dann durch die Onlinefragebögen geklickt hat, bekommt man von dem Ergebnis oft nichts mit. Es wäre wünschenswert wenn Forschende, sofern vereinbart, ihre Erkenntnisse auch zurückspiegeln würden. Einen wirklichen Mehrwert können daher vor allem tiefergehende Forschungen, etwa in Form einer teilnehmenden Beobachtung, einer Netzwerkanalyse oder Case Study, geben. Spacebetreiber*innen können dabei auch immer fragen: What’s in it for me? So beschreiben manche den intensiven Blick auf ihren Space als “Unternehmensberatung light” im Sinne einer weiteren Reflektionsebene und als guten “Link zwischen Theorie und Praxis”.

Welche Projekte unterstützt die German Coworking Federation e.V.?

Der Bundesverband rund um Coworking in Deutschland möchte auch hier vernetzen und Forschende mit Spaces zusammenbringen. Spannend wäre es in Zukunft eine Matching-Plattform anbieten zu können. Interessierte können sich dazu gerne an mich wenden. Außerdem unterstützen wir verschiedene Forschungsprojekte mit unserer Expertise. Zum Beispiel das Projekt Hierda der Universität Bayreuth. Weitere größere Projekte sind beim Frauenhofer IAO angedockt oder eine Studie zu Open Creative Labs in Deutschland vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung. Neben diesen größeren Forschungsprojekte, gibt es auch eine internationale Forschergruppe (Research Group Collaborative Spaces), die sich mit neuen Orten der Kollaboration beschäftigt. Viele der Publikationen finden sich auf der Webseite.

Coworking Library

Um einen Ort im Internet zu schaffen, an dem sämtliche Publikationen rund um Coworking gespeichert werden können, haben Carsten (Deskmag) und ich (GCF) gemeinsam mit vielen anderen die Coworking Library gestartet. Momentan arbeiten wir eifrig am Aufbau einer durchsuchbaren Webseite, sodass die Datenbank dann auch von allen genutzt werden kann. Zudem müssen wir noch viele der kürzlich erschienenen Publikationen einpflegen. Mit diesem Formular könnt ihr selbst Beiträge eintragen. Das Besondere an der Library: Zu allen Einträgen gibt es neben Schlagwörtern auch ein englischsprachiges Abstract, selbst wenn das eigentliche Paper auf koreanisch ist.

Was interessiert die Coworking-Community?

Die Fragen der Teilnehmenden des Impulsmarkts umfassten ein breites Spektrum: Wie wirkt sich die Arbeit in einem Coworking Space auf die Motivation und Produktivität aus? Gibt es Studien zu Innovationspotenzialen innerhalb der neuen Arbeitsorte (vs. Unternehmen)? Oder: Sind Coworker*innen glücklichere Menschen? Die meisten Teilnehmenden interessierten sich aber auch für konkret Handlungsempfehlungen – etwa für erfolgreiche Coworking Spaces in ländlichen Regionen oder Methoden der Co-Creation von Spaces. Letztendlich kann aber die Frage, wem das alles nun was bringe, nur unzureichend beantwortet werden. Im schlimmsten Fall werden all die bereits entstandenen Abschlussarbeiten nur wenig gelesen und verschwinden irgendwo im Cloudspeicher. Mit der Coworking Library wollen wir dagegen Abhilfe schaffen.

Flipchart mit gesammelten Fragen Plakat zur Session über Coworkingforschung

Empfehlenswerte Bücher für den Einstieg ins Thema bei dem/der Buchhändler*in deines Vertrauens:

Bauer, Wilhelm, Stuttgart Fraunhofer IAO, Klaus-Peter Stiefel und Stefan Rief. 2017. Coworking – Innovationstreiber für Unternehmen. Coworking – Driver of Innovation for Companies. Stuttgart: Fraunhofer Verlag.

Bender, Désirée. 2013. Mobile Arbeitsplätze als kreative Räume Coworking Spaces, Cafés und andere urbane Arbeitsorte. Bielefeld: transcript.

Pechlaner, Harald und Elisa Innerhofer. 2017. Temporäre Konzepte: Coworking und Coliving als Perspektive für die Regionalentwicklung. Stuttgart: Kohlhammer W., GmbH.

Rief, Stefan, Wolfgang. Bauer, Klaus-Peter. Stiefel und Agnes. Weiss. 2014. Faszination Coworking: Potentiale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter = The fascination of coworking. Stuttgart: Fraunhofer Verl.

Salzburg, Coworking, Romy Sigl, Romana Hasenöhrl, Bernhard Jenny und Günther Marchner. 2017. Do what you love – The Coworking guide to the galaxy: Wie man ein weltklasse Coworking Gastgeber wird und dadurch weltklasse Menschen anzieht. 1. Aufl. Coworking Salzburg.

Schürmann, Mathias. 2013. Coworking Space: Geschäftsmodell für Entrepreneure und Wissensarbeiter. Wiesbaden: Springer Gabler.

Die COWORK 2018 startet im März in Bremen

Bald ist es wieder so weit und das deutschsprachige Klassentreffen der Coworking-Szene findet statt. Diesmal treffen wir uns vom 9.3. bis 11.3.2018 in Bremen.  Die COWORK ist eine Koproduktion der German Coworking Federation e.V. (GCF) und des Bremer Coworking Space WESERWORK. Ich werde dabei sowohl einen Input zur aktuellen Coworking-Forschung geben, als auch das Coworking-Quiz am Samstag organisieren. Zur Einstimmung hier noch meine Gedanken zu meinem liebsten Forschungsthema, zu dem mich Anja C. Wagner befragt hat:

PS: Tickets für die COWORK 2018 gibt es hier, und zwar zurzeit noch zu early bird-Preisen.

I ❤ my Job oder warum mich nach bald 5 Jahren an der Uni immer noch auf jeden Oktober und April freue

Zum Anfang von jedem neuen Semester, in dem ich an der Viadrina einen neuen Kurs konzipiere, denke ich „das wird nun aber wirklich der Coolste“. Bislang dachte ich das 12 mal. Nicht immer waren die Studierenden der gleichen Meinung und einige meiner Ideen gingen auch vollkommen nach hinten los. Dennoch nutze ich die Freiheit der Lehre um mich immer wieder neuen Themen zu widmen. Ich bin dankbar für das Vertrauen, was mir dabei von meiner Chefin entgegengebracht wird – gerade wenn mein Dissertationsprojekt sich viel zu oft auf der Rückbank wiederfindet. So fühle ich mich doch eher der Lehre als der Forschung verschrieben.

Auf dem hohen Ross der Geisteswissenschaften

Die meist kollaborativen Projekte von und mit den Studierenden sowie meine didaktische Herangehensweise an Wissensvermittlung und Forschendes Lernen, stoßen nicht immer auf offene Ohren. Auch ich merke, dass Studierende immer unsicherer werden, etwas falsch zu machen und eingespannt in die Modulstruktur weniger nach Interesse, als nach optimalen ECTS Punkten studieren. Frei nach dem Motto: „Finde den Kurs mit dem geringsten Aufwand für die meisten ECTS“. Bei mir sind sie dann oft falsch. Durch die fortschreitende Verschulung der Studiengänge sehe ich auch eine Einschränkung von Freiheiten der Studierenden. Anstelle der wirklich selbst gewählten Projekte, wird dann lieber das Praktikum für den Lebenslauf absolviert. Kreatives und absichtsloses Ausprobieren hat keinen Raum – lässt sich ja in der Bildungsbiografie nicht gut vermarkten. In jedem Fall muss man dann diese Lücken im Lebenslauf vor geldgebenden Eltern oder Bafögämtern rechtfertigen. Die Spirale des schlechten Gewissens setzt sich in Gang.

Alternativloser Weg ins erste Burnout?

Ich wünsche mir, dass es an Universitäten, aber auch allen anderen Bildungseinrichtungen und darüber hinaus, mehr Freiräume zum Ausprobieren jenseits der Jagd nach den ECTS und Zertifikaten geben würde. Kollaborative Lernorte, in denen gesponnen, geträumt, geplant und umgesetzt werden kann, gehören genauso dazu wie ein Ende des elendigen Studierenden-Bashings. Niemand der Studierenden, die bei mir Prüfungen oder Abgabefristen nach hinten verschieben ließen, tat dies ohne triftigen Grund. Meist ist mir dieser bekannt und ich habe nicht schlecht gestaunt, was für Schicksalsschläge und gesundheitliche Aspekte Menschen aus der Bahn werfen können. Vieles davon wird tabuisiert, womöglich noch sarkastisch kommentiert. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich so einiges davon nachvollziehen, zweifle aber natürlich auch hier und da an der Prioritätensetzung der Studierenden. Nichts ist eben nur schwarz oder weiß und eine Erhöhung des (finanziellen) Drucks zwingt viele eher in unsinnige Nebenjobs als eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen im selbst gewählten Studienfach und der eigenen Leistung.

Digital ist besser!?

Das ist es doch letztendlich was wir vermitteln wollen: Die Befähigung Zusammenhänge durch verschiedene Perspektiven wahrzunehmen, zu bewerten und in neue Kontexte zu transferieren, Wissen selbst zu erschließen und sich damit kritisch auseinander zu setzen. Und immer wieder Reflektion. Digitale Technologien sind dabei hilfreich und nützlich – niemand muss mehr alles Wissen auswendig lernen, steht ja bei Wikipedia. Aber der Einsatz digitaler Medien ist noch so ein Thema, wo wir massiv hinterherhinken.

meine Studierenden

Stimmungsbild: DER Coworking Space oder DAS Coworking Space?

Um meine kurze Umfrage in der Coworking-Community und darüber hinaus noch mal etwas weiter zu streuen, hier nun meine Frage an euch:


Im Zuge meiner Dissertation, Seminarvorbereitungen an der Europa-Uni Viadrina (Future of Work, Baby!) oder im täglichen Social Media-Dunstkreis stolpere ich häufig über die unterschiedliche Artikelverwendung in Bezug auf Coworking Spaces. Natürlich wird niemand – wohl auch nicht die German Coworking Federation – demnächst festlegen, welchen Artikel ihr zu verwenden habt. Oft gehe ich aber den Zwischenweg und nutze einfach den Plural: Es werden ja sowieso immer mehr Spaces!

Ode an Floh

Heute ist es mal wieder passiert. Ich war im Flow. Der Flow ist ein einzigartiger Zustand bei dem alles fließt und am Ende einen Sinn ergibt – zumindest für diesen einen Moment. Im besten Fall auch noch später, aber im Zustand des Rauschs will man davon nix wissen. Überhaupt sind Zeit und Raum dann erst mal egal. Pullerpausen sind drin, Trinken auch (aber kein Alkohol!), alle anderen Ablenkungen müssen draußen bleiben. Der Flow ist ein schreckhaftes Wesen. Facebook, Telefone und Musik mag er oft nicht.

In meinem Fall heißt der Flow Schreibflow, liebevoll auch Schreibfloh genannt, weil man ihn schnell übersehen kann. Leider kommt er dieser Tage viel zu selten vorbei. Manchmal mache ich mir dann schon Sorgen, dass der Floh und ich uns auseinander gelebt haben – passiert ja oft genug mit Menschen. Wie aber in allen anderen Beziehungen müssen auch der Floh und ich an unserer arbeiten. Tief im Inneren denke ich, dass er eigentlich ganz gerne Routine mag und am liebsten einen festen Rhythmus haben möchte, so wie Kleinkinder. Aber das wird meiner Meinung nach auch viel zu oft überbewertet. Man schreibt sich selbst bis an die Schmerzgrenze Regeln vor – immer in der Hoffnung, dass alles ganz toll wird, wenn ich nur jede Regel akribisch befolge. Wie damals als man mir sagte, dass meine Katze mich vergöttern würde, wenn ich sie mindestens eine Stunde am Stück streicheln würde. Es war eine lange Stunde und dass ich sie als wirklich kleines Kind mal in den Pool geschmissen habe, hat sie mir nie so recht verziehen. Und so bleibt auch der Floh immer etwas unnahbar, ungreifbar, gar unerreichbar – wie der süße Typ damals auf dem Schulhof vier Klassen über mir. Man kann ihn jedoch etwas anfüttern mit täglichen Schreibaufgaben zum Beispiel – den Floh, nicht den Typen, der mittlerweile sicher eh nicht mehr so süß ist und ein Autohaus in Storkow hat, inklusive Reihenendhaus und Familie samt Katze. Die wird sicher auch viel gestreichelt. Allerdings haben sie auch einen Pool. Gibt Schlimmeres.

Dies ist ein kurzer Text einer Serie zum aktiven Schreiben meiner Dissertation. Warum es dabei genau geht, schreib ich bald mal auf. 

Konferenz-Saison: #Cowork2016 und #Arbeitenviernull

Ich war in den letzten Tagen Teil von zwei Konferenzen, die sich mit der Arbeit der Zukunft und der Zukunft der Arbeit beschäftigen – unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. In Hamburg fand vom 11.-13. März 2016 die kleine aber feine Cowork2016 statt – ein Treffen der deutschsprachigen Coworking-Szene, das von der German Coworking Federation e.V. (GCF) organisiert wurde. In letzterer kann man auch Mitglied werden, zum Beispiel hier. Am 15. März 2016 folgte sodann die Halbzeitkonferenz Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) inklusive Eröffnungsrede der Ministerin und entsprechendem Bohai. Die Anzugdichte war hier um tausend Prozent höher als bei ersterer Veranstaltung. Essen war bei beiden toll und leider viel zu viel. Nachhaltigkeit und Konferenzen schließen sich anscheinend noch viel zu oft aus, was ich immer sehr schade finde. Hier nun in aller Kürze meine Impressionen:

Cowork2016 in Hamburg im sHHared und Werkheim

Nach der Gründung der GCF im letzten Jahr ist die Anzahl der Coworking Spaces auch in Deutschland weiter gestiegen. Viele bestehende Spaces expandieren – entweder mit neuen größeren Räumen oder gleich komplett neuen Spaces. Die sogenannte Coworking-Kette WeWork steigert seinen Wert auf 16 Milliarden US-Dollar und eröffnet zur Zeit gerade drei Spaces in Berlin. Viele der ProtagonistInnen der Szene waren sich auf der Cowork2016 einig: So richtig Coworking ist das nicht mehr. Tobias, Coworking Manager vom St. Oberholz, betont in seinem Resümee zur Konferenz den Aspekt der Offenheit, den „unser“ Coworking im Sinne einer Gemeinschaftsbildung hier ganz klar abgrenzt.

Mit der Kennzeichnung #Cowork2016 werden sich in den nächsten Tagen und Wochen weitere Impressionen der spannenden Tage in Hamburg den Weg in den virtuellen Raum bahnen. Desweiteren sei noch anzumerken, dass die Konferenz m.E. Coworking (und auch Co-Living) in einem Mikrokosmos darstellt: Die Barcamp-Methode regt zu echten Begegnungen auf Augenhöhe an und jedeR kann sich einbringen, frei nach dem Motto es gibt keine ZuschauerInnen – nur Teilnehmende. Hier findet ihr den Sessionplan. In diesem Sinne: Wer mag kann die Cowork2017 (und auch die sonstige Verbandsarbeit) mitgestalten: zur German Coworking Federation.

#arbeitenviernull – Halbzeitkonferenz in Berlin im Kosmos

Dementsprechend politischer (und hochkarätiger besetzt) ging es danach bei der Halbzeitkonferenz des Dialogprozesses vom BMAS zu. Arbeit wurde hier in erster Linie im engeren Sinne zu großen Teilen als Erwerbsarbeit gedacht, noch enger vorrangig mit Bezug auf abhängig Beschäftigte. In vier verschiedenen Panels ging es um diverse Aspekte der sich im Wandel befindenden Arbeitswelt der Zukunft. Ein erster Themenüberblick findet sich in der Einladung.

Meine Agenda beinhaltete neben Themen zum mobilen und entgrenzten Arbeiten, vor allem neuere Aspekte in der schönen neuen Welt des Crowdworkings. Dazu beschäftigt sich die Europa-Universität Viadrina zurzeit in einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit der Situation der Crowdworker. In diesem arbeitsrechtlich bislang wenig reglementierten Bereich ergeben sich sowohl Möglichkeiten als auch Risiken für die Reorganisation der Arbeit – irgendwo zwischen Ausbeutung und Freiheit. So war es nicht verwunderlich, dass es bislang wenig konkrete Studien und belastbare Daten zur Situation der auf den diversen Plattformen Aktiven gibt und hier eine klare Forschungslücke bemängelt wurde. Wir sind dran.

Eine spannende Studie, die im Rahmen der Konferenz medienwirksam vorgestellt wurde ist „Wertewelten Arbeiten 4.0“. Hier wurden 1.200 Personen zu ihren Einstellungen zur (Erwerbs-)Arbeit im Zeitverlauf umfangreich befragt. Interessant war die Verortung der ProbandInnen in den sieben entwickelten Wertewelten, die vor allem auf ihren Idealvorstellungen beruhten. Die Präsentation der nextpractice GmbH skizzierte ein recht positives Bild der Zukunft (grün), jedoch für den heutigen Standpunkt eher negative Aussagen der unterschiedlichen Gruppen. Mit einem Test kann sich jedeR selbst mal einordnen: Zum Test auf arbeitenviernull.de.

Arbeit kann nur gemeinsam gedacht werden

Beiden Konferenzen gemein war, dass sich unglaublich wenig mit dem aktuell sehr sichtbaren Thema der vielen Menschen, die nach Europa kommen oder es zumindest versuchen, beschäftigt wurde. Die Menschen, die zurzeit aufgrund einer Fluchterfahrung zu uns kommen spielten in keiner der hübschen Studien, anregenden Diskussionen und Kaffeepausen eine Rolle – und wenn oft nur negativ besetzt. Ich denke wie sehr die aufgezeigten idealen Wertewelten an der Realität vorbeigehen werden, wird sich daher nicht erst im anvisierten Jahr 2030 zeigen. Zuletzt kommt daher also ein Werbeblock: Am 30. April 2016 treffen sich Engagierte und Projektemacher beim openTransfer CAMPRefugees in München. Die Stiftung Bürgermut organsiert das zweite Barcamp dieser Art und will zu mehr Projekttransfer in diesem gesellschaftlich wichtigen Bereich beitragen. Hier findet ihr mehr Informationen: Link zum Event

Diskussion bei der Cowork2016

Foto: CC BY 4.0 Mirko Lux (Mehr Impressionen der #Cowork2016 findet ihr hier)

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