Month: März 2016

Konferenz-Saison: #Cowork2016 und #Arbeitenviernull

Ich war in den letzten Tagen Teil von zwei Konferenzen, die sich mit der Arbeit der Zukunft und der Zukunft der Arbeit beschäftigen – unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. In Hamburg fand vom 11.-13. März 2016 die kleine aber feine Cowork2016 statt – ein Treffen der deutschsprachigen Coworking-Szene, das von der German Coworking Federation e.V. (GCF) organisiert wurde. In letzterer kann man auch Mitglied werden, zum Beispiel hier. Am 15. März 2016 folgte sodann die Halbzeitkonferenz Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) inklusive Eröffnungsrede der Ministerin und entsprechendem Bohai. Die Anzugdichte war hier um tausend Prozent höher als bei ersterer Veranstaltung. Essen war bei beiden toll und leider viel zu viel. Nachhaltigkeit und Konferenzen schließen sich anscheinend noch viel zu oft aus, was ich immer sehr schade finde. Hier nun in aller Kürze meine Impressionen:

Cowork2016 in Hamburg im sHHared und Werkheim

Nach der Gründung der GCF im letzten Jahr ist die Anzahl der Coworking Spaces auch in Deutschland weiter gestiegen. Viele bestehende Spaces expandieren – entweder mit neuen größeren Räumen oder gleich komplett neuen Spaces. Die sogenannte Coworking-Kette WeWork steigert seinen Wert auf 16 Milliarden US-Dollar und eröffnet zur Zeit gerade drei Spaces in Berlin. Viele der ProtagonistInnen der Szene waren sich auf der Cowork2016 einig: So richtig Coworking ist das nicht mehr. Tobias, Coworking Manager vom St. Oberholz, betont in seinem Resümee zur Konferenz den Aspekt der Offenheit, den „unser“ Coworking im Sinne einer Gemeinschaftsbildung hier ganz klar abgrenzt.

Mit der Kennzeichnung #Cowork2016 werden sich in den nächsten Tagen und Wochen weitere Impressionen der spannenden Tage in Hamburg den Weg in den virtuellen Raum bahnen. Desweiteren sei noch anzumerken, dass die Konferenz m.E. Coworking (und auch Co-Living) in einem Mikrokosmos darstellt: Die Barcamp-Methode regt zu echten Begegnungen auf Augenhöhe an und jedeR kann sich einbringen, frei nach dem Motto es gibt keine ZuschauerInnen – nur Teilnehmende. Hier findet ihr den Sessionplan. In diesem Sinne: Wer mag kann die Cowork2017 (und auch die sonstige Verbandsarbeit) mitgestalten: zur German Coworking Federation.

#arbeitenviernull – Halbzeitkonferenz in Berlin im Kosmos

Dementsprechend politischer (und hochkarätiger besetzt) ging es danach bei der Halbzeitkonferenz des Dialogprozesses vom BMAS zu. Arbeit wurde hier in erster Linie im engeren Sinne zu großen Teilen als Erwerbsarbeit gedacht, noch enger vorrangig mit Bezug auf abhängig Beschäftigte. In vier verschiedenen Panels ging es um diverse Aspekte der sich im Wandel befindenden Arbeitswelt der Zukunft. Ein erster Themenüberblick findet sich in der Einladung.

Meine Agenda beinhaltete neben Themen zum mobilen und entgrenzten Arbeiten, vor allem neuere Aspekte in der schönen neuen Welt des Crowdworkings. Dazu beschäftigt sich die Europa-Universität Viadrina zurzeit in einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit der Situation der Crowdworker. In diesem arbeitsrechtlich bislang wenig reglementierten Bereich ergeben sich sowohl Möglichkeiten als auch Risiken für die Reorganisation der Arbeit – irgendwo zwischen Ausbeutung und Freiheit. So war es nicht verwunderlich, dass es bislang wenig konkrete Studien und belastbare Daten zur Situation der auf den diversen Plattformen Aktiven gibt und hier eine klare Forschungslücke bemängelt wurde. Wir sind dran.

Eine spannende Studie, die im Rahmen der Konferenz medienwirksam vorgestellt wurde ist „Wertewelten Arbeiten 4.0“. Hier wurden 1.200 Personen zu ihren Einstellungen zur (Erwerbs-)Arbeit im Zeitverlauf umfangreich befragt. Interessant war die Verortung der ProbandInnen in den sieben entwickelten Wertewelten, die vor allem auf ihren Idealvorstellungen beruhten. Die Präsentation der nextpractice GmbH skizzierte ein recht positives Bild der Zukunft (grün), jedoch für den heutigen Standpunkt eher negative Aussagen der unterschiedlichen Gruppen. Mit einem Test kann sich jedeR selbst mal einordnen: Zum Test auf arbeitenviernull.de.

Arbeit kann nur gemeinsam gedacht werden

Beiden Konferenzen gemein war, dass sich unglaublich wenig mit dem aktuell sehr sichtbaren Thema der vielen Menschen, die nach Europa kommen oder es zumindest versuchen, beschäftigt wurde. Die Menschen, die zurzeit aufgrund einer Fluchterfahrung zu uns kommen spielten in keiner der hübschen Studien, anregenden Diskussionen und Kaffeepausen eine Rolle – und wenn oft nur negativ besetzt. Ich denke wie sehr die aufgezeigten idealen Wertewelten an der Realität vorbeigehen werden, wird sich daher nicht erst im anvisierten Jahr 2030 zeigen. Zuletzt kommt daher also ein Werbeblock: Am 30. April 2016 treffen sich Engagierte und Projektemacher beim openTransfer CAMPRefugees in München. Die Stiftung Bürgermut organsiert das zweite Barcamp dieser Art und will zu mehr Projekttransfer in diesem gesellschaftlich wichtigen Bereich beitragen. Hier findet ihr mehr Informationen: Link zum Event

Diskussion bei der Cowork2016

Foto: CC BY 4.0 Mirko Lux (Mehr Impressionen der #Cowork2016 findet ihr hier)

Teil 4: Random Facts und Vermischtes – Beschäftigung, Sicherheit, Menschen und Tiere

Im vierten Teil der Reiseserie zu unserem Monat in Thailand geht es um alles, was in den anderen Teilen dieser Serie noch keinen Platz gefunden hat, ich aber dennoch für erwähnenswert halte.

Programm

Da wir nur mit Handgepäck reisten, war unsere Auswahl an Unterhaltungsprogramm begrenzt. Was aber unbedingt mit musste, und sich als tatsächlich sinnvoll herausgestellt hat, habe ich hier mal aufgelistet:

  • (Karten)-Spiele: Uno, Phase 10, SkipBo, Kniffel
  • pro Person ein Buch sowie Tagebuch
  • Stifte
  • Taschenmesser/Besteck
  • Kindertaucherbrille (obwohl wir noch eine sowie einen Schnorchel vor Ort erwarben)
  • Badeschuhe! (Leider auch erst vor Ort gemerkt und teuer bezahlt)

Da wir schnell andere Kinder kennengelernt und die meiste Zeit draußen verbracht haben, war anderes „Spielzeug“ nicht nötig oder wurde von anderen mitbenutzt. Mit einem Mix aus Schnorcheln, Wandern, Träumen, Lesen, Essen und Fruchtshakes waren unsere Tage ziemlich ausgefüllt und ernsthaft langweilig wurde es nie. Bücher wurden übrigens vor Ort einfach weitergegeben und getauscht. Manche Unterkünfte und Cafés haben auch Ecken wo das entsprechend gemacht werden kann.

drei Rucksäcke

Internetkram und digitale Medien

  • iPad und iPhone (inkl. Apps: Spotify, Ebook-Reader, Sprachlern-Apps Thai)
  • Kopfhörer pro Nase, aber auch Ohropax
  • Basisauswahl an Hörspielen auf allen Endgeräten

Es gab nicht überall zuverlässiges W-LAN, daher war es schon sinnvoll ein paar Hörspiele und Musik offline dabei zu haben. Über die Dropbox hatte ich dann auch Zugriff auf eine digitale Kopie der wichtigen Dokumente.

Grafik: Reisen mit Kind in Zeiten des Web 2.0

Sicherheit

Erst auf der Reise wurde ich immer mal wieder angesprochen und darauf hingewiesen wie riskant es auch sein kann, ganz allein mit einem jungen Kind unterwegs zu sein. Diese Gedanken waren mir nicht fremd – jedoch waren wir bewusst nicht in einer einsamen Ecke und hatten immer eine gute Infrastruktur um uns herum. Besonders wegen meiner chronischen Krankheit, wusste ich eigentlich immer, wo das nächste Krankenhaus wäre und hatte stets genügend Bargeld für ein Taxi dorthin in der Tasche.

Zusätzlich habe ich im Vorfeld auch schon ein paar Maßnahmen diesbezüglich getroffen: Ein Googledoc mit dem ungefähren Reiseplan habe ich an enge Freunde, die auch als Notfallkontakt in meinen Unterlagen hinterlegt waren, gesendet. Außerdem gab es in jedem Gepäckstück Kopien von unseren Pässen und meiner kleinen Krankheitsgeschichte auf Englisch inklusive meiner letzten Blutwerte.

Am Kinde habe ich i.d.R. wenigstens einen kleinen Zettel mit meiner Handynummer platziert. Dennoch kam es zu einer kurzen Suchaktion von fünf Hotelangestellten, drei Köchen und mir: Zum Frühstück in Bangkok – im gebuchten Hotel wurde gerade gebaut – mussten wir im Hotel gegenüber einkehren. Ich holte uns Essen vom Buffet und Miss K. sollte sich schon mal einen schönen Platz suchen. Eigentlich hatte ich sie im Blick bis sie sich umentschied und doch lieber den tollen Balkonplatz, der gerade frei wurde, in der hinterletzten Ecke ansteuerte. Es folgten ungefähr zehn Minuten Panik und diverse Leute, die nach dem Kinde suchten, was in aller Ruhe die Nasenspitze in die Sonne hielt bis ich sie beim gefühlt fünften Mal des akribischen Absuchens des Restaurants endlich entdeckte und den anderen Entwarnung signalisieren konnte.

Mit der Zeit wurde ich aber wieder gelassener. Letztendlich verlief alles gut und niemandem passierte etwas. JedeR muss hier eine eigene Taktik entwickeln und da wir auch zu Hause eher unaufgeregt mit der stetig wachsenden Selbstständigkeit eines Grundschulkindes umgehen, machte es mir auch nichts aus, wenn Miss K. stundenlang alleine im Meer planschte oder mit gerade kennengelernten Familien auf Erkundungstouren ging (während ich mir eine Massage gönnte).

To Do Sicherheit

  • Heft/Buch mit allen wichtigen Adressen vor Ort und zu Hause
  • Online-Dokument mit ungefährem Reiseplan an enge Freunde senden
  • Kopien von Pässen und wichtigen Dokumenten (auch online speichern)
  • kleine Schilder für Taschen/Hosentaschen des Kindes mit Telefonnummer oder besser gleich so was
  • Deutschenliste
  • Vorhängeschloss z.B. für Gepäck und/oder Bungalow

Blick aufs Meer im Dunkeln

Von Tieren und Menschen

Von beidem haben wir so einige kennengelernt – manche waren freundlicher als andere. Grundlegend muss natürlich gesagt werden, dass die meisten Menschen sehr freundlich – vor allem zu Kindern – sind. Auch auf Koh Tao haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Dass dort alles etwas teurer als auf dem Festland ist, wussten wir vorab.

Anders wirkte Bangkok auf mich. Man sagt, es gibt Menschen, die diese Stadt lieben und andere, die sie nicht ausstehen können. Dazwischen geht nicht. Auch wenn es schöne insgesamt fünf Tage waren, ist Bangkok nicht so meins. Das hat leider auch mit den paar Menschen zu tun, die in den TouristInnen in erster Linie wandelnde Geldpakete sehen und deren Streben geprägt davon ist, diese mit diversen Tricks an sich zu bringen. So war schnell klar, dass der angenehmere Teil der Reise am Meer stattfinden würde.

Nachdem uns am ersten Tag ein anderer deutscher Tourist vom Skorpionstich seiner Partnerin und den anschließenden Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung auf Koh Tao erzählte, befürchtete ich schon Schlimmes. Innerlich waren wir auch auf diverse Mückenangriffe eingestellt. Sofern wir aber die Stunde am frühen Abend (ist sicher je nach Jahreszeit und Wetter anders) in geschlossenen Räumen verbrachten, war es gar nicht so schlimm. Das Empfinden ist auch hier immer subjektiv und  ich glaube nicht, das die diversen Mückenmittel (pflanzlich oder Chemiekeule) da einen Unterschied gemacht haben.

Weitere mehr oder weniger angenehme Begegnungen mit Tieren betreffen Geckos und Eidechsen, Krebse, Fische sowie Nagetiere. Ein riesiger Vertreter der Ersteren (ca. 1 m von Kopf bis Schwanzende)  hielt uns lange davon ab die Toilette in unserem nach oben offenen Bad zu benutzen. Natürlich wussten wir, dass die Tiere nicht gefährlich sind. Nach ein paar Wochen waren wir auch nur noch genervt von den kleinen Kackhaufen im Bungalow, die Auskunft über die ungefähre Größe des Tiers gaben.

Die fast tellergroßen Krebse haben uns oft den Weg zu unserem Bungalow in den Felsen der Sunset Bungalows „versüßt“. Miss K. hatte dabei tatsächlich Angst, fand es aber auch sehr spaßig als ich am Strand öfters aufsprang als ein Krebs aus dem Wasser direkt auf meinen großen Zeh zusteuerte. Größeres Unglück konnte jeweils abgehalten werden.

Unvergessen ist auch der Morgen an dem eine von einer Katze gejagt Maus vom Dach in unser offenes Thaistyle-Badezimmer stürzte. Wir guckten uns ziemlich beide ziemlich geschockt an. Da das Bad mit Steinen ummauert, also abgeschlossen ist, gab es für sie keinen Ausweg. Ich glaube wir versuchten beide die Strategie und das Aggro-Potenzial des anderen zu evaluieren und entsprechend zu handeln. In meinem Fall schloss ich die Badezimmertür und sagte den burmesischen Hausmädchen Bescheid, die mit einem Besen anrückten.

Wer genau nachts mein Ladekabel angeknabbert hat, weiß ich nicht – tippe aber auch auf ein tropisches Nagetier eurer Wahl. Es war immer wieder erstaunlich, wie all diese Viecher doch einen Weg in die Räume fanden. Auch wenn eine Moskitonetz nicht immer notwendig war, fühlten wir uns darunter doch etwas beschützter.

Letztendlich überwogen aber eindeutig die positiven Erfahrungen mit Einheimischen, Tieren und anderen Reisenden: Die Großfamilie, die mit Jetskis aus Surat Thani nach Koh Tao gedüst ist und uns spontan zum Abendessen eingeladen hat; die super freundliche Kellnerin und die tolle Köchin im Sushi-Restaurant von Chalok, die für uns oft vegetarische Köstlichkeiten jenseits der Karte zubereitete;  viele Herbergsmenschen, die uns weitere schöne Ecken empfohlen und uns teilweise hingebracht haben; abendliches Biertrinken in der Yat Bar; vegane Leckereien von May Kaidee in Bangkok oder der lachenden Karotte; die lieben Angestellten vom BaanTalay, die keine Wünsche offen ließen; die Piratenbar mit Feuershows in gemütlicher Atmosphäre; diverse Familien von überall, mit denen wir in Hängematten gechillt, Boote ausgeliehen und Erkundungstouren unternommen haben. Danke für all die unvergesslichen Momente!

gecko

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